Feiern wir das Gemeinsame!

Was nach dem Ende des 500. Gedenkjahres der Reformation zu tun bleibt

Erklärung der 40. Bundesversammlung von  „Wir sind Kirche“
zum Ende des Reformationsgedenkjahres

500 Jahre Reformation gaben Anlass zu vielen gemeinsamen, ökumenisch geprägten Veranstaltungen. Wenn wir dem Reich Gottes den Weg bereiten, sind Reformation wie auch Ökumene Daueraufgaben. Nur gemeinsam können die Kirchen heute in versöhnter Verschiedenheit den Menschen das Evangelium, die Hoffnungsbotschaft Jesu Christi, glaubhaft und glaubwürdig verkünden.

In einem zunehmend säkularer werdenden Europa und angesichts der weltweiten materiellen wie geistigen Not müssen die christlichen Kirchen rasch zu einer versöhnten Einheit finden, um so ein lebendiges Beispiel für den Frieden in der Welt und einer geeinten Menschheit zu werden.

  • Bekennen wir uns in Deutschland, im Kernland der Reformation, zu unserer besonderen Verantwortung, den Weg der Versöhnung entschieden weiterzugehen. Dieses ist auch ein wichtiges Signal für ein einiges Europa.
  • Lassen wir uns nicht auf Lehrstreitigkeiten ein, die längst nicht mehr die Fragen der Menschen von heute berühren, und setzen wir das bisher in der Ökumene Erreichte nicht aufs Spiel.

  • Lassen wir uns weder von mahnenden Worten, nur nichts zu überstürzen, beeindrucken noch von ablehnenden Haltungen, welche das Trennende überbetonen.
  • Bejahen wir mutig die Verschiedenheiten, lernen wir das vermeintlich „Fremde“ kennen und feiern wir das Gemeinsame.
  • Bezeugen wir in einer erbarmungslosen Welt gemeinsam die von Jesus verkündete und praktizierte Barmherzigkeit. Erst wenn es gelingt, Versöhnung innerhalb der Christenheit zu erreichen, können wir überzeugend für Versöhnung in der Welt eintreten.
  • Beginnen wir als Kirchenvolk im Vertrauen auf das Wirken der göttlichen Geistkraft mit der Einübung dessen, was die Kirchenleitungen noch nicht offiziell zu leisten in der Lage und willens sind. Verpassen wir nicht den Kairos, den rechten Augenblick für die Einheit der Christinnen und Christen.
  • Praktizieren wir die wechselseitige Gastfreundschaft am Tisch des Herrn. Das Mahl schenkt uns die Einheit, nicht die Einheit uns das Mahl.
  • Feiern wir Gottesdienst in ökumenischer Weite und offen für alle Menschen.

Papst Franziskus hat bei seinen Besuchen in der evangelisch-lutherischen Christuskirche in Rom am 15. November 2015 und dann am 31. Oktober 2016 beim Lutherischen Weltbund in Lund die Türen der Ökumene wieder geöffnet und zum Voranschreiten ermutigt.

Die Ökumene ist und bleibt ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit des Christentums gemäß Jesu Auftrag „…damit alle eins seien“ (Joh 17,21).

Ulm, 29. Oktober 2017

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