Pfingstbrief 2020

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer IEF – Deutsche Region,

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen!
So sagt ein arabisches Sprichwort.

Dass ein unvorhergesehener, nicht gerade willkommener Wind der Veränderung und des Wandels in der ganzen Welt weht, erleben wir mit der Corona-Pandemie. Sie hat vielen Menschen ihren Lebensatem unterbrochen oder genommen, Straßen, Plätze, Versammlungsorte leergefegt. Insbesondere ältere und allein lebende Menschen leiden unter Kontaktsperre und Isolation. Protest regt sich gegen die eingeschränkte Freiheit und ihre Folgen. Das Virus bedroht nachhaltig Gesundheit, soziales Leben, wirtschaftliche Existenz und Wohlstand auf der ganzen Welt. Nach der Pandemie kommt der Hunger, heißt es aus Afrika. Aber auch bei uns wissen viele nicht, wie und wovon sie in Zukunft leben sollen. Gott sei Dank hat – wenn auch unter Einschränkungen – seit kurzem eine sogenannte „neue Normalität“ begonnen – aber sie kann und wird auch in Zukunft nicht so sein, wie wir sie von früher gewohnt waren. Eine Zeit gravierender Veränderung hat begonnen: auf jeder Ebene – persönlich, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch in unseren Kirchen. Ziele, Inhalte, Methoden sind neu zu bestimmen. Die Herausforderungen, die auch unabhängig von der Pandemie da sind – wie der Klimawandel mit allen seinen Folgen, die Notwendigkeit, die Lebensgrundlagen auf der Erde für kommende Generationen zu erhalten – sind dabei einzubeziehen.

Was an kommender Veränderung weit weg schien, betrifft uns durch die Auswirkungen der Pandemie in vieler Hinsicht mehr als zuvor auch im persönlichen Leben. Wo wird die Reise hingehen?

In einer solchen Zeit feiern wir Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes! Mit der Bitte, dass er auch uns heute mit seiner tröstenden und schöpferischen Kraft erfülle!

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.

So schreibt Paulus im 8. Kapitel des Römerbriefes (Röm 8,26), in dem er vom Seufzen der Schöpfung unter der Knechtschaft der Vergänglichkeit schreibt – und der Erwartung und dem Sehnen, dass Gottes Herrlichkeit offenbar wird, auch an denen, die seine Kinder sind – zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Dabei ist er Realist: als Christinnen und Christen sind wir einbezogen in das Seufzen der Schöpfung und der Sehnsucht nach Erlösung, nach vollkommener Erneuerung. Wir sind gerettet – aber auf Hoffnung – und sehen noch nicht, was kommt.

Und doch: in aller Teilhabe am Leiden der Schöpfung ist uns Gottes Geist geschenkt. Er führt uns zu Gott, der seinen Sohn nicht verschont hat, um uns in ihm alles zu schenken. In dem gewiss ist, dass uns keine Macht der Welt von Gottes Liebe trennen kann, auch kein Virus und seine Auswirkungen.

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf! Uns, die wir selbst nicht – oder nur unvollkommen – wissen, was wir beten sollen, kommt Gottes Geist zur Hilfe, indem er alles Seufzen aufnimmt und vor Gott bringt.

Seufzen – das ist lebensnotwendig, um innerlich frei zu werden von dem, was belastet – wie ein tiefes Ausatmen, auch der Dinge, für die wir keine Worte finden. Seufzen macht ein neues, tiefes Atemholen erst möglich. Es klärt den Blick für das, was loszulassen ist, mit aller Trauer und mit allem Schmerz, aber auch mit Erleichterung! Und gibt die Chance, mit dem Schöpfen neuen Atems sich neu aufzurichten, sich neu zu orientieren, mit neuer Kraft ins Leben zu gehen.

Auf diese Weise atmet in uns Gottes Geist, entlastet und begabt uns. Eine neue Lebenskraft mischt sich ein – in unsere Gedanken- und Gefühlswelten, in unsere Verhältnisse, in Konferenzen und Planungen; begabt mit neuer Hoffnung und neuem Mut, verwandelt und erneuert Menschen mit ihren jeweiligen Sichtweisen, dem Leben zu dienen. Führt zu neuem Vertrauen, dass Gott es gut meint mit seiner Welt, dass er auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will. Dazu braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen (D. Bonhoeffer). Gottes Geist wirkt einen Glauben, der über den eigenen Horizont hinaussieht und Brücken baut.

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen!

Also, nicht sich einschließen, einmauern – sondern Windmühlen bauen! Flügel setzen, die der Wind des Wandels, in dem Gottes Geist wirken will, antreiben kann – so dass Menschen und Verhältnisse in Bewegung kommen, dass Kraft übertragen wird, damit Menschen auch in Zukunft Brot und Arbeit haben. Dass neue Perspektiven entwickelt werden und Menschen zusammenfinden. Welche Chance haben wir dazu in den Gemeinschaften, in denen wir leben, auch in unserer IEF!

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf – ermutigt uns, auch in Zeiten der Flaute Windmühlen der Erwartung zu bauen. Dafür brauchen wir einander: im gemeinsamen Hinschauen, im gemeinsamen Gebet und  in der Fürbitte, im Austausch, im Wagen auch kleiner Schritte in unseren Lebensbereichen und Verhältnissen. Auch für die Aufgabe, die wir als IEF in unseren Gemeinden, in und mit unseren Kirchen haben. Darum bitten wir: Komm, heiliger Geist, und erneuere deine ganze Schöpfung!

Herzlich grüße ich Sie und Euch alle, auch im Namen des Vorstands, mit den besten Segenswünschen zum Pfingstfest und für alle Anliegen der kommenden Zeit!

Eure/Ihre
Ute Kannemann

 

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