Schreiben der deutschen Region an die polnische Region der IEF zum 1. September 2019

Dank und Gedenken

Köln, im August 2019

Liebe Mitglieder der polnischen-IEF-Region!

Über die Einladung zum Internationalen Kongress der IEF nach Krakau vom 22. bis 29. Juli 2019 haben wir uns sehr gefreut.

Für Eure ökumenische Offenheit, die Gestaltung und Vielfalt des Programms und die Möglichkeit, religiöse Orte der polnischen Frömmigkeit kennenzulernen, danken wir herzlich. Besonders hat uns der Besuch in Kalwaria mit dem Mittagsgebet und dem Kreuzweg einen Zugang zur polnischen Seele eröffnet. Alles hat uns sehr beeindruckt.

Während der Konferenz ist uns bewusst geworden, dass das Jahr 2019 eine besondere Bedeutung in der deutsch-polnischen Geschichte hat. Mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen vor 80 Jahren begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg, ein mörderischer Krieg gegen die Zivilbevölkerung vom ersten Kriegstag an. Millionen Polen, darunter etwa drei Millionen Juden, wurden Opfer.

Nach dem Krieg entwickelte sich in Deutschland vereinzelt ein Bewusstsein für die von Deutschen begangenen Verbrechen. Es entstanden Initiativen, um Vertrauen und Brücken der Versöhnung aufzubauen, z. B. Aktion Sühnezeichen und das Maximilian-Kolbe-Werk. Der politischen Verständigung ging auf beiden Seiten das Engagement der Kirchen voraus. Den Grundstein dazu haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit ihrer Ostdenkschrift von 1965 und die polnischen Bischöfe beim Zweiten Vatikanischen Konzil mit ihrem Brief an ihre deutschen Amtsbrüder gelegt, in dem sie schrieben: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“.

Es folgten Begegnungen auf politischer Ebene und Verträge, die die deutsch-polnischen Beziehungen gefestigt haben. Der Kniefall unseres damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt vor dem Denkmal für die Opfer des Warschauer Gettos ist zu einem bleibenden Symbol der Versöhnungsbereitschaft zwischen unseren beiden Völkern geworden.

Wir empfinden eine große Verpflichtung, die Erinnerung an die Opfer als Mahnung wachzuhalten, sie weiterzugeben an die folgende Generation, gestärkt durch die Erfahrungen der Freundschaft, die wir auch in der IEF mit den polnischen Freunden und Freundinnen gemacht haben. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die IEF-Tagungen 2008 in Herrnhut und 2012 in Krzyzowa (Kreisau), bei denen die Aufarbeitung der deutsch-polnischen Beziehungen jeweils eine maßgebende Rolle spielte.

Umso dankbarer sind wir, dass die polnische Region der IEF weiterbaut an der Brücke der Verständigung zwischen unseren Völkern. Im Vertrauen auf die gewachsene herzliche Verbindung zwischen unseren IEF-Regionen freuen wir uns auf weitere ökumenische gemeinsame Schritte.

Im Namen der deutschen IEF-Region grüßen wir Euch alle in ökumenischer Verbundenheit.

Margret Müller
(Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Maximilian-Kolbe-Werkes)

Hans-Georg Link
(Präsident der deutschen IEF-Region)

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